Wohnen im Alter
Das Thema Wohnen im Alter war im Projekt besonders präsent. V:Süd hat es mit Vorträgen, Praxisdialogen und Besichtigungen substanziell vorangebracht.

Podiumsdiskussion Symposium „Wohnen im Alter“, Bludenz, März 2026
Ausgangslage
Warum ist dieses Thema so dringend?
In fast allen Regionen von V:Süd fehlen altersgerechte Wohnformen. Die Kosten für Pflegedienstleistungen steigen für Gemeinden und Familien. Gleichzeitig sind viele ältere Menschen in Häusern untergebracht, die für ihre aktuelle Lebenssituation nicht mehr passen, aber emotional und sozial tief verankert sind.
Was klar wurde: Wohnen im Alter ist nicht nur eine private Aufgabe, sondern auch eine kommunale Aufgabe, die frühzeitige Planung braucht.
Gute Lösungen brauchen Flexibilität, Barrierearmut, soziale Nähe und gute Erreichbarkeit von Versorgung und Angeboten, aber auch neue Wohnformen jenseits des klassischen Pflegeheims.
Bgm. Simon Tschann, Prof. Franz Kolland und VGV-Präsident Bgm. Walter Gohm, Symposium März 2026
Veranstaltung
Wohnen im Alter: das Symposium
Das Symposium brachte rund 100 Personen aus Politik, Verwaltung, Fachpraxis und engagierten Initiativen zusammen. Es war ein wichtiger Impuls für die Diskussion in der Region.
Programm:
- Keynote Prof. Franz Kolland (Universität Wien) zu Alter, Wohnen und gesellschaftlichem Wandel
- Podiumsdiskussion mit raumlink, Kolland, KPV und Gemeindevertreter:innen
- Spaziergang zu Beispielen dezentraler betreubarer Wohnangebote in Bludenz
- Besichtigung bestehender Wohnangebote im Alter
- Praxisdialog „Zukunft Einfamilienhaus“: Was passiert, wenn Kinder ausziehen?
Dokumentation des Symposiums
Die vollständige Dokumentation des Symposiums „Wohnen im Alter“ (März 2026) steht zum Download bereit:
Einfamilienhaus neu denken
54 % aller Wohneinheiten – und enormes Potenzial
In V:Süd sind 54 % aller Wohneinheiten Ein- oder Zweifamilienhäuser, der Großteil davon vor 1980 erbaut. Viele dieser Häuser sind für die aktuelle Nutzung zu groß, zu wenig barrierefrei und haben hohen energetischen Sanierungsbedarf. Gleichzeitig schlummert in ihnen ein enormes Potenzial für neue Wohnformen.
Was bremst die Transformation?
- Emotionale Bindung an das Haus
- Unsicherheit über Finanzierung, Förderungen und rechtliche Fragen
- Die meisten werden erst aktiv, wenn es „nicht mehr geht“ in den eigenen vier Wänden – besser wäre schon früh daran zu denken, spätestens, wenn es in Richtung Pension geht
Was können Gemeinden tun?
- Infoveranstaltungen für Einfamilienhaus-Besitzer:innen organisieren, gemeinsam mit Architekt:innen, Förderberatung und Notariat
- Beratungsangebote aufbauen oder auf bestehende Angebote hinweisen
- Pilotprojekte für Umnutzung oder Nachverdichtung fördern
- Das Thema frühzeitig in Ortsentwicklungsprozesse einbetten
- Eigentümer:innen dabei unterstützen, Gespräche „in den Familienrat“ zu bringen
Neuer Ansatz
Betreute Nachbarschaften
Ein zentrales Ergebnis aus Symposium und Praxisdialogen ist der weiterzuentwickelnde Ansatz Betreute Nachbarschaften. Betreuung, Beratung und das Erleben von Gemeinschaft erfolgen wohnortnah in der Nachbarschaft, im Ortsteil oder in der Gemeinde. Bestehende aufsuchende Unterstützungen wie MOHI werden ergänzt.
Der Ansatz ist eine erste Skizze. Er muss weitergedacht, konkretisiert und an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst werden.
Das Konzept richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Gemeinden.
- Kombination von selbstständigem Wohnen und niederschwelliger Unterstützung
- Qualitäten bestehender Siedlungsstrukturen aktiv nutzen
- Leerstand in der Nachbarschaft als Gemeinschaftsraum aktivieren
- Nachbarschaftliches Engagement als ergänzende Ressource stärken
Spaziergang und Diskussion im Rahmen des Symposiums, Bludenz, März 2026
Zum Nachhören
Drei Podcasts mit CIPRA International
In Zusammenarbeit mit CIPRA International entstanden drei Podcasts zu Wohnthemen in der Alpenregion, mit Stimmen aus dem Projekt und dem Schwerpunkt „Wohnen im Alter“:
Podcast 1
Wie wohnen Menschen in einer Alpenregion heute und in Zukunft?
Johannes Herburger & Eva Lingg-Grabher, raumlink
Podcast 2
Mehrere Generationen unter einem Dach: Wie gelingt das in der Praxis?
Michael Hartmann, Bgm. Nenzing
Podcast 3
Betreutes Wohnen: Wie können Menschen im Alter möglichst lange selbstständig wohnen?
Adam Zehentner, Stadt Bludenz
